THE VIRGIN’S VOICE

2013 (KHM project) Performance & short film

Nominated to the Cologne dance and theatre price 2014

In The Virgin’s Voice, three hysterical, neurotic, and seductive female performers, or sirens, teeter on the verge of a nervous breakdown. Trapped in a histrionic state, they cycle in a loop of self-hate, spiraling in and out of control. They crash to the ground, faint, stab themselves and each other, in exasperation.

They develop intensive rituals—gasping, hyperventilating, clenching fists, accelerating movements meant to eradicate their vices: self-victimization, unrequited love, self-infliction, and harm. Shemesh’s performers dedicate themselves fully and repeat these actions until finally, they overcome their afflictions.

The structure of the performance is meant to evoke questions related to weakness and power, the condition of the body and how it affects gender perception. The performers writhe and suffer, convincing the viewer, momentarily, that gender correlates with strength. What if we were to step out of the narrative of the ‘weaker sex’?

Do demonstrations of physical strength correspond with attractiveness, vitality, and vigor? Or can they also reveal something deeper about our vulnerabilities? Three female performers test and exert their own physical limits to the maximum, delicately oscillating between weakness, control, and submission. Under Shemesh’s direction, the figures in The Virgin’s Voice address the stereotype of the hysterical woman, dislodging it from the plot as a fallacy

“When was dance ever so naughty. wonderful” / KLAUS KEIL
“This piece is done in a humorous way, with charm and in a tight design, showing how an interesting choreographer, NRW won with the move of Reut Shemesh from Amsterdam to Germany” / Thomas Linssen Feb.2014″ / KLAUS KEIL

CREDITS

Choreography & Scenography Reut Shemesh
Dance and Creation Lisa Kirsch, Hannah Platzer, Ieva Navickaite
Music Simon Bauer
Costume Anna Kilian 
Managment Judith Mayer 
Layout Ronni Shendar
Camera Ronni Shendar, Frank Erler, Simon Salzig
Editing Reut Shemesh 
Photography Phillip Böll/Ronni Shendar

Made possible by the City of Cologne, tanz. tausch dance festival, Atelier Quartier am Hafen, Academy of Media Arts Cologne.

Previous & coming performances

4 December 2013 Alte Feuerwache Köln­ Tanz. tausch Festival
21,22,23 Feb 2014­ Alte Feuerwache Köln­ THREE international festival
19th June 2014 Leipzig Loft theatre­ Tanz. tausch Festival
13th Dec 2014 TanzFaktur Köln
11th Jun 2015 Kunst salon Köln
13th Jun 2015 Lothringair Street festival Aachen
14th Jun 2015 Schauspiel Köln im DEPOT /Birlikte Kulturfest



PRESS

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SCHMERZ UND LEERE

Vor allem mit Beiträgen des choreografischen Nachwuchses wollten die Kölner beim Tanz- und Performance-Festival “tanz.tausch” in der Alten Feuerwache punkten. Eine gewagte Entscheidung mit disparaten Ergebnissen. Gut gelungen mit Reut Shemesh, kritisch zu betrachten bei Ursula Nill.

Sie umklammern mit beiden Händen einen imaginären Dolch, pushen sich gegenseitig hoch, um auch die letzte Hemmung abzulegen – und stechen dann zu. Choreografisch lustvoll rammen sich die drei Tänzerinnen Lisa Kirsch, Hannah Platzer und Ieva Navickaite immer wieder den Dolch in den Leib. Eine starke und zugleich tragische Geste, die das neue Tanzstück “The Virgins’s Voice” der jungen Choreografin Reut Shemesh bis zum Schluss durchzieht und von den Tänzerinnen mit funkelnden Augen oder übertrieben angriffslustig geradezu komisch ausgeführt wird. Doch die inszenierte Komik soll nicht verdecken, dass diese Geste symbolisch für die eigenen Schwächen steht. Reut Shemesh setzt sich in dem Tanzstück mit dem Rollenbild der Frau in der westlichen Gesellschaft auseinander. Das macht sie selbstkritisch, radikal und mit bissigem Witz, der nicht immer schmeichelhaft für die Frauen ist.

HEIMCHEN AM HERD UND POWERFRAU

Denn Ausgangspunkt der Choreografin ist ihre Feststellung, dass sich die Frauen schon wieder “selbstlos, zurückgezogen und naiv” in alten Rollenbildern einzurichten scheinen. Also entfacht sie mit ihrer Choreografie einen wahren Hexentanz auf der Bühne, um die Widersprüche zwischen Heimchen am Herd und Power-Frau aufzuzeigen. Ohne peinlich damit zu wirken, kann das nur jemand machen, der Teil dieser Generation ist. Gleich, ob Shemesh die Tänzerinnen gegeneinander antreten lässt oder die sich gleich wieder liebevoll umarmen und küssen: am Ende steht bei jeder Tanzsequenz der tiefe Fall, real und symbolisch. Selten wurde das eher formale Fallen im Tanz so stark inhaltlich als Bedeutungsträger in eine Choreografi e einbezogen wie hier. Um das noch zu verstärken, wird die Musik aus Sound, Klavier und dem Ave-Maria wie Störpotenzial eingesetzt. Manchmal reicht auch ihr Heulen und Flennen, wenn sich das Trio mal wieder in absurder Komik bis zur Bewusstlosigkeit würgt. Die Choreografi n macht dies in der ihr eigenen tänzerischen Form und bereichert damit die freie Tanzszene mit einem selten anzutreffenden Element: Humor. Es ist eine tiefgründige, fast schwarze Komik, der mit seinen Überzeichnungen von Charakteren und Überspitzungen von Situationen durchaus einen Bewusstseinsprozess einleiten kann. Wann war Tanz je so frech. Wunderbar.  KLAUS KEIL

Köstliche Verführung
Das Choreographen-Projekt „Three“ zeigt Reut Shemesh in Bestform – Tanz in NRW 03/14

28. Februar 2014

Was existierte zuerst, die Schönheit oder der sie bewundernde Blick? Das Sujet ist so alt wie die Europäische Kunst selbst. Ein besonders raffiniertes Beispiel für die kunstvollen Spiegelungen der Schönheit sind die Darstellungen der „Drei Grazien“. Töchter des Zeus, die Lebendigkeit, Schönheit und Charme symbolisieren. Raffael hat sie gemalt, aber auch Lucas Cranach und Canova verwandelte sie so delikat in Skulpturen, dass man sich schon ziemlich beherrschen muss, um nicht dem Wunsch nachzugeben, sie zu berühren. Natürlich wissen die drei Grazien, wie sie Reut Shemesh in ihrer Choreographie „Virgin’s Voice“ jetzt präsentierte, um die Macht ihrer Verführungskraft. Sie lachen, werfen sich in Pose, sie kreischen und erstarren und in jedem Moment spielen sie schelmisch mit ihrem Publikum.

Reut Shemesh zeigt ihre Produktion im Rahmen des außergewöhnlichen Choreographen-Projekts „Three“, in dem Produktionsgelder aus NRW stecken und das jetzt in Köln in der Alten Feuerwache gastierte. Neben der Israelin Reut Shemesh stellte Philipp van der Heijden sein Stück „Whatever it is for three“ vor. Ein minimalistisches Spiel zweier Frauen und eines Mannes, das fast durchgehend mit dem Rücken zu Publikum getanzt wird. Schrittkombinationen wiederholen sich, werden leicht variiert und bilden eine abgezirkelte Tanz-Meditation, die unspektakulär bleibt. Sinnlicher dagegen präsentiert sich „The Man upstairs“ von der Engländerin Rachel Erdos. Minutenlang stehen die Tänzer unter einem weiten Strahl aus Sand, in dem sie sich drehen und wenden, bis das Spiel der Bewegung beginnt. Die Tanzfiguren leiten sich zumeist aus ritualisierten Bewegungen ab. Mit perfekter Geschmeidigkeit wird agiert, die Choreographie bleibt dabei aber spirituell verrätselt und stellt angesichts ihrer religiösen Inhalte eine demonstrative Selbstbezüglichkeit zur Schau.

Ein großer Gegensatz zum Trio von Reut Shemesh, denn Ieva Navickaite, Lisa Kirsch und Hannah Platzer kultivieren die zeigende Geste, wie sie von den antiken Vorbildern definiert wird. Damit alles gesehen werden kann, präsentieren sich immer zwei Frauenkörper von vorne und einer von hinten. Wer macht hier wen zum visuellen Gefangenen? Voyeurismus oder Exhibitionismus, das ist nicht zu entscheiden. Eine vitale, ironische Note erhält die Komposition durch die Tatsache, dass es die Teenager, oder – altmodisch formuliert – die leicht überdrehten Jungfrauen sind, die Weiblichkeit hier definieren. Bewegungstechnisch wählt Reut Shemesh die beiden Archetypen Fallen und Halten als Pole, zwischen denen sich dramatische Bewegung erzeugen lässt, die aber auch für die labilen Emotionen der jungen Frauen zum Symbol werden. Bevor sich Identität gefestigt hat, muss man sich zunächst ausprobieren. Das geschieht auf humorvolle Weise, mit Charme und im Zirkel einer dichten Konzeption, die zeigt, welche interessante Choreographin NRW mit dem Umzug von Reut Shemesh aus Amsterdam ins Rheinland gewonnen hat. THOMAS LINDEN
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