LEVIAH

My very tight uniform has become a symbol; a symbol of lost dreams and sexual confusion

2015-2016 (KHM project) Performance, short film and a collection of stories

Winner: Cologne Tanz- und Theaterpreis 2017.

Winner: audience prize Festival 638 KiloTanz Essen.

My very tight uniform has become a symbol; a symbol of lost dreams and sexual confusion.

LEVIAH is a memoir about vulnerability, power, conformity, and loss of agency. Composed of a collection of memories from service in the Israeli military, LEVIAH brings to light a phenomenon that is rarely spoken about: the emotional trauma and despair that female soldiers in junior position endure. In the male-dominated, hierarchical structure of national military service, many women lose control and gain eating disorders. They are forced to adopt a tough exterior yet are subjected to sexual harassment. Coping mechanisms are common; willful memory erasure, dark humor, drugs, apathy, intermittent eruptions of sexuality. The performers’ bodies expose extreme conditions of vulnerability and control, as well as the shift from human to mechanic‚ one experiences within a charged social and military environment. LEVIAH reenacts the gradual but consistence toll that political groupthink takes on the individual psyche.


“A Women’s Duo is so incurred, drastic and aggressive. […] Whoever has been to this place, behind the fence, his femininity stays damaged – this is the conclusion of this production, in which Shemesh encircles her controversial topic individually with expressive dance. A piece that gives an idea of how much the end of naivety is also politically momentous.” Nicole Strecker, Nov. 2015

»Leviah« is big, dark, brave, personal, but not private. Reut Shemesh allows dance to handle the art of dealing with vulnerability without portraying the victim as small and powerless” M. Suchy TanzMagazine August 2016

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Credits

Concept, Choreography, and text  Reut Shemesh 
Dance and creation Hella Immler, Reut Shemesh
Music Simon Bauer 
Scenography Ronni Shendar 
Costume Dario Mendez Acost
Dramaturgy Daniel Rademacher
Management Sandra Jasper
Camera & Photography Ronni Shendar
Photography Sasa Huzjak
Photography Simon Bauer

LEVIAH the film 

Director  Ronni Shendar & Reut Shemesh
Production company: Kunsthochschule für Medien Köln / Reut Shemesh Choreography
Production year: 2017
Film length in minutes: 19.00
Websitehttps://www.khm.de/studentische_arbeiten/id.28279.leviah/
Leading actors: Hella Immler / Reut Shemesh
Screenplay: R. Shemesh & R. Shendar / text- Shemesh
Camera: Ronni Shendar
Music: Simon Bauer
Editing: Ronni Shendar

Made possible by The city of Cologne, NRW Art Foundation /Ministry of Family, Youth, Culture and Sport / Academy of Media Arts Cologne Supported by IDAS NRW / TanzFaktur Cologne.



Previous & upcoming performances

24 October 2015 Museumnacht Cologne/Atelier Quartier am Hafen (DE)
27.28.29 November 2015 TanzFaktur Cologne (DE)
4 Dezember2015 TheaterhausMitteBerlin (DE)
22 December 2015 Grabenhalle St. Gallen (CHE)
9 April 2016. TanzFaktur Cologne (DE)
25 August 2016 St. Gallen theatre (CHE)
3 September 2016 Tanz Raum Herisau (CHE)
17 September 2016 Tanzhaus Zürisch (CHE)
5 November 2016 TAK Theater Liechtenstein
19 November 2016 Tanzzeit Festival–Theater am Gleis Winterthur (CHE)
26 November 2016 Theater Chur (CHE)
07 April 2017 Tanzfaktur Cologne (DE)
29. September 2017 Platform of Contemporary Dance Maribor/Slowenien (SI)
02. September 2017 Fabrik Heeder Krefeld (DE)
10. November 2017 Dance in Response / Hamburg (DE)
23. November 2017 tanzhaus nrw Düsseldorf (DE) 
27.Oktober 2018 Perfom(d)ance, Brasov, Rumänien 
November 2018 Clipa theatre, Tel-Aviv, Israel

LEVIAH the Film

07. Mars 2017 FILM PREMIERE IN/MOTION DANCE FILM FESTIVAL 2017 Chicago- Loyola University Chicago (USA)
September 2017 Showcase Cinenova Kino, Cologne (DE)
April 2017- Art Cologne KHM booth (DE)
May 2017 Tanz NRW/ Bonn Ballsaa Theater (DE)
Mai 2017 International short film festival Oberhausen, IMAI Stiftung (DE)
Juni 2017 Galerie ampersand, Köln (DE)
29. Juni -8. July 2018 –  FORUM KUNST contemporary, ART SPACE Stift, Millstatt, Austria.

Press

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Hinter dem Zaun /  von Nicole Strecker

Hinter dem Zaun – „Leviah“ – ein Stückr Israel, Weiblichkeit und Gewalt von Reut Shemesh in der TanzFaktur Köln Nachtkritik von Nicole Strecker

Sehr junge Frauen in Uniform – sie beflügeln seit jeher erotische Fantasien. 18 Jahre alt sind die Frauen in Israel, wenn sie zum staatlich verordneten Wehrdienst in die Armee müssen, an den meisten von ihnen dürfte noch ein bisschen familiärer Flaum haften. Und dann finden sie sich unvermittelt in einem chauvinistischen System wieder, in dem es immerzu um Kampf, Waffen, Staatsideologie geht. Um strikte Hierarchien, Befehle und: Sex. Denn im Kopf so manchen Mannes gehen nun mal militärische und erotische Potenz ziemlich durcheinander. Wer auf dem Schlachtfeld gegenüber den Geschlechtsgenossen mit seiner Männlichkeit protzt, kann sie offenbar kaum zügeln, wenn er aufs Gegengeschlecht trifft. So ist längst bekannt, dass speziell in der israelischen Armee sexuelle Belästigungen an der Tagesordnung sind. Auch für Choreografin Reut Shemesh muss ihre Zeit bei der Armee ein Martyrium gewesen sein, das sie speziell als Frau tief erschüttert hat. Was genau ihr widerfahren ist, deutet sie nur an – „something bad happened“ -, aber sie zeigt die Wirkungen auf ihren Körper: krampfartiges Zittern, Entfremdung vom eigenen Leib, selbstzerstörerische Schonungslosigkeit.

„Leviah“, was sich wohl mit „Löwin des Herrschers“, „Kämpferin“ und Heldin“ übersetzen lässt, heißt ihr neues Stück, in dem sie sich nach einer langen Phase der Verdrängung mit ihren Erfahrungen bei der Armee auseinander setzt und das in der Tanzfaktur Köln uraufgeführt wurde.

Ein Frauen-Duo ist so entstanden, drastisch und aggressiv. Der Raum ist noch vollständig in Dunkelheit gehüllt, als eine weibliche Computerstimme erklärt: Die enge Uniform sei ihr zum Symbol geworden – zum Symbol für verlorene Träume und sexuelle Konfusion. Die emotionslose elektronische Stimme begleitet an diesem Abend immer wieder den Tanz von Reut Shemesh und ihrer Partnerin Hella Immler. Sie erzählt von der Entdeckung der eigenen erotischen Attraktivität und der Sehnsucht nach einem Freund. Von Depressionen, Ekel und Wahnsinn, der sich eines Tages in der Zerstörung der Büroeinrichtung entlädt. Von dem Hass auf eine Institution, die Individualität, Freiheit, ja überhaupt jedes positive Gefühl, Zuneigung und Empathie abtötet. Ein starker Text, auf den Reut Shemesh und Hella Immler mit Tanzbildern reagieren, die eindringlich von den psychischen Turbulenzen erzählen, wenn sie den Unterschied zwischen Zärtlichkeit und Brutalität, wie auch zwischen maskulinem und femininem Habitus immerzu verwischen.

Am Anfang ist es, als gebäre die Dunkelheit langsam zwei künstliche Kreationen: Zwei Frauen in ziemlich sexy aussehenden olivegrünen Uniformen – streng geschnittene Bluse, kurzer enger Rock, viel nacktes Bein. Doch aus den Soldatinnen ist jede weibliche Anmut getilgt. Mit ruckelig-kantigem Roboter-Charme exerzieren sie ihr militärisches Bewegungsrepertoire durch: Hand zum Schwur, Hand aufs Herz, die Beine breit und fest wie Pfähle in den Boden gerammt, die Arme in Siegerpose nach oben gereckt. Seelenloser Drill. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes: Während Reut Shemesh stramm steht, fließt plötzlich Urin unter ihrem Rock zwischen den gegrätschten Beinen hervor, plätschert leise auf den weißen Tanzboden. Eine Pinkel-Provokation. Aber noch viel mehr: ein sehr bemitleidenswerter Ausdruck von Angst. Ein Kontrollverlust und die Aufgabe von Selbstachtung und Würde. 

Wie viel Humanität lässt eine Institution zu, deren Existenzgrund die Gewalt ist? Wie Frau-Sein in dieser patriarchalisch-physischen Umgebung? Und wie jemals Frieden schaffen, wenn eine ganze Gesellschaft im Krieg geschult ist, jedes Mitglied die Erfahrung von Unterdrückung machen muss, von ideologischem Brainwashing und simplem, undifferenziertem Freund-Feind-Denken? Wie lassen sich Idealismus und utopisches Denken trotz staatlich verordneter Indoktrination bewahren? Das sind Fragen, die Reut Shemesh den Zuschauern in die Köpfe pflanzt, auch wenn ihre Produktion nach einem kraftvollen Anfang choreografisch etwas auf der Stelle tritt und ästhetisch allzu erwartbar dem typisch israelischen, ruppig-physischen Stil treu bleibt.

Ein bisschen zu oft suchen sie und Hella Immler die aggressive Körperkonfrontation, knallen mit dem Brustkorb gegeneinander als hätten sie keine weiblichen Formen –  sarkastisch im Walzertakt als hätte man es hier mit dem israelischen Initiations-Pendant zum Wiener Opernball zu tun. Sie verkeilen die Schultern ineinander wie zwei massige Bullen, heben sich hoch und man weiß nicht, ob die eine die andere beschützen will oder zerschmettern. Dennoch muss man die Schonungslosigkeit bewundern, mit der Shemesh und Immler ihre Körper der Deformation aussetzen, hecheln wie Hunde, auf die Knie krachen oder die Arme so lange gewaltsam ineinander verhakeln, bis die Fäuste ganz weiß vor Blutarmut werden.

Wer an diesem Ort, wer hinter dem Zaun war, dessen Weiblichkeit bleibt beschädigt – so das Fazit dieser Produktion, in der Shemesh sehr persönlich und mit expressivem Tanz ihr brisantes Thema umkreist. Ein Stück das ahnen lässt, wie sehr das Ende der Naivität auch politisch folgenreich ist.