AORA

While all around us are wearing their finest clothing, emotional nudity can be extremely painful

2012  Performance

Nominated to the Cologne dance and theatre price 2012

AORA is a work about the inevitable and destructive power of disaster on human relationships. Four performers are gathered in one room, compelled by the rules of their strict environment, tied to one another. They accumulate energy reciprocally; power one another; pant and convulse. The figures exhibit powerful and vigorous attitudes, which are juxtaposed with waning displays of force and vitality: a metaphor for failed power relations and the influence of forces crisis on human ability. In AORA, Shemesh’s characters reveal themselves through extreme movements: ecstatic shaking and shivering, stillness and sudden lift. Harmonic, tender, or sequential movements are disrupted by quivering and devastating collapses, belying any sense of normalcy.

The dreamlike dance painting shows cracks, reveals the fragility of a social fabric and places beauty directly next to its destruction… Shemesh combines dance, music (Nico Stallmann) and interior design (Ronni Shendar) into a symbiotic aesthetic. We can only hope that the city of Cologne can hold such an extraordinary artist.
Romy Weimann

Credit

Choreography Reut Shemesh
Dance and Creation Or Hakim, Laura Marios, Young-Suk Lee, Nicolas Robillard
Music Nico Stallmann
Scenography Ronni Shendar
Film Ronni Shendar 
Photography Ken Bekaert, Ronni Shendar
Length: 50 min

Made possible by the City of Cologne, Atelier quartier am Hafen, Design Quartier Ehrenfeld, Random Collision Groningen.

Previous & coming performances

2,3,4 November 2012 D.Q.E Cologne
11,12 December 2012 Arkadas theatre Cologne

PRESS

Tanz-Gemälde

Seit 2010 lebt und arbeitet Israelin Reut Shemesh schon in Köln. Sie gilt als das spannendste Nachwuchstalent der letzten Jahre. Mit der Inszenierung „AORA“ im DQE macht sie ihrem Ruf alle Ehre – und wurde prompt für den Kölner Tanzpreis nominiert.

Die Bühne ist ein Raum wie aus einer anderen Dimension. Kommt man in die riesige Halle des Design Quartiers Ehrenfeld, findet man an diesem Abend einen weißen Kasten in der Mitte. Er scheint wie ein strahlendes Universum, degradiert sein Umland zum dunkel kahlen Leerraum. Die israelische Choreografin Reut Shemesh kreiert mit „AORA“ ein auratisch schillerndes Bühnengemälde. Im Zuschauerraum angekommen, blickt man dann ins leuchtende Weiß. Scheinwerfer hinter den Folienwänden, grelles Spotlight von oben – den vier Tänzern wird jeglicher Schutz verwehrt, jede Regung offen gelegt. Und sie sind verblüffend reglos, starren mit stoischer Konzentration an die Decke, als würden sie ein imaginäres Wunder beobachten. In den ersten unendlichen Minuten scheinen die beiden Pärchen – eines am hinteren und eines am vorderen Bühnenrand – malerisch. Ihre zeitlupenartigen Minimalbewegungen werden dabei zu Pinselstrichen, die das Gemälde vervollkommnen.

Der Operngesang von Woohee Chung, für die Vorstellung eingespielt, und das wohlklingende Klavierspiel u.a. von Händel polieren die glänzende Oberfläche der unbewegten Harmonie. Doch bald kommt Hektik auf. Or Hakim in schwarzer Spitze und Youngsuk Lee in einheitlichem Schwarz robben seitwärts synchron über die Bühne, ständig nach links und rechts blickend. Laura Eva Meuris und Nicolas Robillard vollführen klassische Hebefiguren, formieren sich zu einer sakralen Engelsfigur, die im Rückwärtsschritt den gewohnten Abstand von Publikum und Bühne bedrohlich überschreitet. Shemesh lässt Klassik und Moderne aufeinander prallen. Filigrane Bewegungen vor plastisch futuristischer Kulisse werden immer wieder konterkariert durch groteske Bilder. Etwa wenn die beiden Frauen sich krebsartig in Brückenhaltung aufeinander zu bewegen, Lee seinen Kopf durch die Beine von Hakim schiebt, um sie dann auf die Schultern zu heben. Oder wenn sich alle kampfartig ineinander verkeilen. Dann scheint die Makellosigkeit der überschönen Gesellschaft gestört. Immer wieder gerät ihre Welt wie durch ein Erdbeben ins Wanken. Sie lösen sich voneinander, geraten in ekstatisches Zucken und Schütteln. Als Individuen taumeln sie in die Haltlosigkeit, müssen sich wieder fangen, in die Gruppe finden. In einer endlos wirkenden Szene bewältigen sie dann die Nachbeben, strecken und beugen sich in hoher Geschwindigkeit, hecheln und keuchen. Das traumhafte Tanzgemälde zeigt Risse, offenbart die Brüchigkeit eines gesellschaftlichen Gefüges und stellt Schönheit unmittelbar neben ihre Zerstörung. Was bleibt, ist die Kunst. Shemesh vereint Tanz, Musik (Nico Stallmann) und Raumdesign (Ronni Shendar) zu einer symbiotischen Ästhetik. Bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt Köln eine so außergewöhnliche Künstlerin halten kann.

ROMY WEIMANN