Tickle me to tears

it was so funny when you asked to rape me.
ride your motorcycle on me, I will tickle you to tears

2012 performance and short film

Rudi is a female voice, she is accompanied by a man. Rudi is perfect while the man is troubled, a destined for isolation. To the man, Rudi represents an animated porn figure, an avatar, a sex fantasy, his illusion. His love for Rudi equals his repulsion toward her. But Rudi is not real. Her character is almost a prosthetic to his body. He is trapped in a state of flux—between the desire to possess her and the inevitability of losing her. The man attempts to rid himself of her as one does a fly;  he covers her eyes with his own, blinds her, shakes his body, attempts to shut her sinister voice. Out of desperation, he folds her in half, shoves her to the ground, wraps and conceal her in his arms, drags and flips her, but she re-appears. She mimics and represents his agony. After some duration, Rudi re-gains her vision and vanishes. The man remains alone but free.

“An oppressive, intense evening, with images that stay for a long time. Reut Shemesh is one of Cologne’s most exciting young choreographers.”   theater AKT/ Catherine Mager

CREDITS

Choreography & Text Reut Shemesh
Dance and Creation Antonio Stella & Reut Shemesh
Music Nico Stallmann
Scenography Anne Weyler
Pictures Anne Weyler
Camera Ronni Shendar
Editing Reut Shemesh

Made possible by  Atelier Quartier am Hafen and MichealDouglas Collective.

Previous & upcoming performances

10 March 2012 Atelier Quartier am Hafen Köln
6 May 2012 Atelier Quartier am Hafen Köln
28,29 Juni 2012 Now & Next , tanzhaus Düsseldorf

PRESS

DOPPELWESEN
Im Quartier am Hafen gibt es seit Anfang März zwei neue Tanzräume für Training und Workshops. Die israelisch-kölner Choreografin Reut Shemesh zeigt hier ihre neueste Performance „Tickle me to tears“.

Im Quartier am Hafen gibt es seit Anfang März zwei neue Tanzräume für Training und Workshops. Die israelisch-kölner Choreografin Reut Shemesh zeigt hier ihre neueste Performance „Tickle me to tears“.

„Tickle me to tears“, jemanden mit Kitzeln zum Weinen bringen, ist eine sadistische Vorstellung – Liebe und Schmerz liegen oft nah beieinander. 

Reut Shemesh zeigt in ihrer neuen Performance die Beziehung zweier Menschen, die, in ihrer symbiotischen Existenz, als machtvolles Ungeheuer zum Leben erwacht. Es ist das einprägsamste Bild an diesem Abend: Shemesh zieht sich an Tänzer Antonio Stella hoch, hängt sich wie ein vor der Brust getragener Rucksack an ihn. Seine Hände liegen, mit den Handflächen nach außen, auf ihren Lidern. 

Auf jeder Hand ein aufgemaltes Auge, als sei er stigmatisiert: eine machtvolle archaische Einheit, eine Art Geburt, die an das Ungeheuer aus dem Film „Pans Labyrinth“ von Guillermo del Toro erinnert. Augen sind zentral in dieser Rauminstallation. Sie finden sich in den Fotos, die das Gesicht der Choreografin mal lachend, mal Grimassen schneidend zeigen; überdimensional sind sie über ein Portrait von ihr gemalt. Gegenüber sind dieselben Augen noch einmal, aber ohne Gesicht (Kunst: Anne Weyler). 

Eine surreale Situation: die Protagonisten schauen sich beim Scheitern ihres Beziehungstanzes zu. Aber auch der Zuschauer fühlt sich beobachtet. Wie oft kann man, verstrickt in eine exzessive Liebe, deren selbstzerstörerischen Kräfte nicht erkennen, obwohl sie deutlich sichtbar sind. In „Tickle me to tears“ wächst, was sie schufen, den beiden über den Kopf. 

Ein beklemmender, intensiver Abend, dessen Bilder lange nachgehen. Reut Shemesh ist eine der spannendsten Nachwuchschoreografinnen von Köln.

Aus Stellas Kehle dringt unerwartet ein unmenschlicher Laut, ein Urgeräusch, dass Verzweiflung, Wut und Hilflosigkeit in sich trägt. Shemesh formt dazu lautlos ihre Lippen, als würde es aus ihrem Mund stammen – als würde sie sich den Schmerz des anderen zu eigen machen. Es hilft nicht einmal, sich selbst den Mund zuzuhalten, der Laut hat sich verselbstständigt. Die Körper wirken hilflos, wenn sie sich voneinander lösen, als seien sie sich, ohne den anderen, fremd, als gäbe es nur noch die Existenz als Doppelwesen. Die beiden tanzen bis zur Erschöpfung einen ekstatischen Paartanz, bei dem sie die Köpfe auf und ab, hin und her werfen. Zu lieblicher Gitarrenmusik wird Shemesh schließlich zum passivenSpielobjekt: Lässt sich in verschiedene Posen drehen, rollen, schieben, sogar durch den Raum tragen, zieht sich bis auf einen hautfarbenen Slip mit aufgemalter Schambehaarung aus, holt sich die gemalten Augen von der Wand und klebt sie auf ihre geschlossenen Lider. Sie braucht seine sehenden Hände offenbar nicht mehr. Sein letzter, fast zärtlicher Versuch, den Kopf auf ihre Schulter zu legen, bleibt erfolglos. Am Ende sitzen sie, wie zu Beginn, in Kauerhaltung in unterschiedlichen Ecken: wieder hilflose Geschöpfe,die sich nach Liebe sehnen. 

CATHERINE MAGER