THE BOY

a bird sits on a man’s head 
the man is irritated
the bird turns into a boy, the boy transforms into wind
the wind becomes a voice
a voice in man’s head

May 2014 (KHM project) Performance 
A production by Reut Shemesh and Overhead Project

Nominated to the Cologne dance and theatre price 2014

The Boy Who Cries Wolf is set against the backdrop of an archaic world of images, populated by giants and dwarfs, fiery demons, wolves and angelic deer, characters who are translated into contemporary and intimate personae. Using myths and fairy tales such as the narrative of The Brothers Grimm, the performers question the use of menacing stories to convey moral or controlling children by spreading guilt and fear.

Two boys are lost in a tangled forest; one is heavy, depressed, and the other is light and nimble like a deer. They wander from shimmering deserts into cold mountains, toward one another. This is a story about brothers, a man, and his demons, about the feelings and weight that guilt carries. Their inevitable encounter, the gravity of their bond, their playful demeanor.  The work originated as an old folktale, in which a continuous circle of transformation is described, determining the choreography. Every movement, every formal gesture, refers to the previous act as well as to the following one. The journey of the two men unfolds in the moonlight like a variegated, delusional fantasy. In an imagined rendezvous, they encounter fantastic creatures and each other, re-discovering themselves through primal means. The Boy, half-tragedy, half-comedy, is a tale of two brothers who must learn to exist among the wild animals of the forest, without becoming beasts themselves.

„a dark dance perl is made successfully.“ Thomas Linden, Theaterzeitung AKT

CREDIT

Choreography and text Reut Shemesh
Dance and Creation Tim Behren & Florian Patschovsky
Music Simon Bauer, Nico Stallmann 
Scenography Ronni Shendar
Film Ronni Shendar
Photography De Matthias
Photography Lazoo

Made possible by
Stadt Köln, kunststiftung nrw, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, tanz.punkt Köln. De NWE Vorst,  Kunshochschule für Medien Köln, Forum Neuer Zirkus, Sommerblut-Festival, Atelierhaus Quartier am Hafen. Stadt Köln, kunststiftung nrw, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, tanz.punkt Köln

Previous & upcoming performances

22.23.24 April 2013 Now & Next Tanzhaus NRW Düsseldorf
19 August 2013 Asphalt Festival Düsseldorf
3 May 2014 Forum new circus Berlin
16.17.18 May 2014 Kunsthochschule für Medien Köln
22 May 2014 Tilburg (NL)
10.11 September 2014 tanz.punkt Alte Feuerwache Köln
17 April 2015 Tanz­ NRW tanzhaus nrw Düsseldorf
25 April 2015 Tanz NRW theater im ballsaal Bonn
31 October 2015 Move festival Krefeld
6.7 May 2016 Commedia Futura, Eisfabrik Hannover

PRESS

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DUNKLES GLÜHEN

Reut Shemesh mit ihrer bildmächtigen Fantasie und das starke Tanzduo Overhead Project durchleuten in “The boy who cries Wolf” die Märchenträume des Abendlandes mit einem ironischen Ernst, der eine kleine Tanzsensation hervorbringt.

Die Inszenierung spielt im Wald. Im nackten Bühnengeviert der Kunsthochschule für Medien sind aber weder Bühne noch Kostüme zu sehen. Scheinwerfer hängen, die Atmosphäre eines Medienlabors. Aber da stehen zwei Männer hinten. An der Art, wie sie nahe zueinander gerückt sind und schauen, sieht man sofort, dass sie aus der Tiefe eines mythischen Raums kommen. Vielleicht Brüder, oder ein Riese und ein Zwerg. Die Tänzer und Akrobaten Tim Behren und Florian Patschovsky, die sich Overhead Project nennen, zeigen ihre neue Choreografie “The boy who cries wolf” in der Regie von Reut Shemesh.

MÄRCHENHAFTE DRAMATIK

Dramatik ist im Raum, auch ohne die enervierenden Rhythmen der abgehackten elektronischen Musikkomposition von Simon Baur. Als seien sie Gestalten aus dem 19. Jahrhundert, so still und eindringlich bewegen sich die jungen Männer und lassen ihre Aktionen immer wieder zu Bildern gefrieren. Da gibt es Kriegsheimkehrer, Prinzen, Bären, eine Pietá, Frösche, Dämonen, Wölfe und Hirsche. Nicht immer wird deutlich, was sie verbindet. Hier geht es eher wie im Traum zu, in dem die Details geheimnisvolle Beziehungen unterhalten. So sind auch die Märchen der Brüder Grimm entstanden, aus Erzählungen und Bildern, die Faszination auslösten und zu Text wurden, ohne den Gesetzen der Logik zu folgen. Behren und Patschovsky besitzen einen Zugang zur Dimension dieser archaischen Themen und sie verfügen mit Reut Shemesh über das künstlerische Potenzial, um an diese Orte des kollektiven Unbewussten zu führen.

Mit einem Timing, das immer dann innehält, wenn Erstaunen, Angst oder Freude auf den Punkt gebracht worden sind, machen sie Emotion sichtbar, ohne eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Es sind vielmehr geschmeidige, verwickelte Bewegungen, denen nicht anzusehen ist, welches Ziel sie ansteuern, bis sich die Körper in einem Still konzentrieren und der Wolf zu schreien beginnt oder der Hirsch auf einer Lichtung erscheint.

DER TOD IM TANZ

Das Duo vermag die Szenen tänzerisch auf den Punkt zu bringen, vor allem jedoch verdeutlicht es, dass es sich hier um tradierte Bilder handelt. Mit den Mitteln des Tanzes betreiben sie Illusion, “Durchleuchten” gewissermaßen die Wirklichkeit. Dieses Kunststück gelingt den beiden durch Dramatik, Präzision und Humor. Sie lassen ihre mitunter mächtig wirkenden Körper sprechen, indem sie komplexe Hebefiguren einsetzen, die ihnen Geschmeidigkeit verleihen, ohne dass sie an Wucht verlieren würde. Die behende Eleganz entfaltet sich langsam, wie in Zeitlupe. Ihre Wucht erhält die Choreografie durch die dunklen Ränder, an denen das Todesthema immer wieder kehrt. Tatsächlich spielt der leblose Körper eine wichtige Rolle im Märchen. Der Moment, in dem nur noch Schwere vorhanden ist, macht die tragische Abwesenheit des Lebens besonders greifbar. Ein dunkles Tanzjuwel ist da gelungen.

THOMAS LINDEN